Texte mit Strategie | Anne Hofmann

Über uns Seite texten: Warum sie selten verkauft (und wie es besser geht)

Stell dir vor, du landest auf einer Unternehmenswebsite, klickst neugierig auf „Über uns“ und liest das hier:

„Die XYZ GmbH wurde 2004 gegründet. Mit 35 Mitarbeitenden, einem modernen Fuhrpark und 20 Jahren Branchenerfahrung stehen wir für höchste Qualität und kundenorientierte Lösungen.“

Dazu ein Foto von drei Herren im blauen Anzug, die sich steif die Hand schütteln.

Hand aufs Herz: Löst das bei dir den Impuls aus, direkt zum Hörer zu greifen?

Eher nicht.

Das Problem an solchen Absätzen ist selten der Inhalt. Die Zahlen stimmen wahrscheinlich, die Erfahrung ist da. Aber der Blickwinkel ist schief. Viele Unternehmen verstehen die Überschrift „Über uns“ schlicht zu wörtlich: Sie fangen an, von sich zu erzählen – und vergessen völlig, mit welcher Frage der Besucher auf die Seite gekommen ist.

Was Besucher auf dieser Seite eigentlich suchen

Wer auf deinen „Über uns“-Button klickt, will keine Firmenhistorie studieren. Er sucht nach Orientierung. Im Grunde will er nur herausfinden, ob ihr sein Problem versteht, ob die Chemie im Projektalltag stimmt und ob er euch sein Geld anvertrauen kann.

Eure Seite sollte deshalb kein Archiv für Jubiläen sein. Sie funktioniert viel besser, wenn du sie als Vertrauensbeweis nutzt.

Gute Webtexte drehen die Perspektive um: Es geht nie nur darum, was ihr alles geschafft habt. Es geht darum, wie eure Erfahrung dem Kunden am Ende das Leben leichter macht.

Wie aus Fakten echte Argumente werden

Heißt das, dass Zertifikate, Jahreszahlen oder Teamgrößen gar nicht mehr auf die Seite gehören?

Doch, absolut. Aber sie brauchen einen Übersetzungsschritt.

Beweise und Stationen wirken erst dann, wenn der Leser sofort merkt, was für ihn drinsteckt.

Typischer Selbstbeweihräucherungs-Satz:

„2018 haben wir unsere Produktions- und Lagerfläche auf 3.000 Quadratmeter erweitert.“

Übersetzt für den Kunden:

„Damit deine Aufträge auch bei spontanen Lieferengpässen ohne Verzögerung rausgehen, haben wir unsere Lagerkapazitäten 2018 verdreifacht. So bleibt dein Projekt flexibel – egal, was am Markt passiert.“

Gleicher Fakt, völlig andere Wirkung. Der erste Satz klopft sich selbst auf die Schulter, der zweite nimmt dem Kunden eine Sorge ab.

Wo Persönlichkeit ins Spiel kommt

Gerade bei Dienstleistungen oder Projekten, die über mehrere Monate laufen, arbeitet niemand mit einer anonymen GmbH. Man arbeitet mit den Menschen, die morgens den Hörer abnehmen.

Deine „Über uns“-Seite darf zeigen, wie ihr tickt und worauf ihr im Arbeitsalltag Wert legt. Das filtert am Ende ganz von allein die Kunden heraus, mit denen die Zusammenarbeit zäh werden würde.

Entscheidend ist nur, dass die Persönlichkeit nicht ins Belanglose abrutscht.

Persönlichkeit ohne Inhalt:

„Wir trinken freitags gerne Craft-Beer im Büro und sind ein familiäres Team mit flachen Hierarchien.“

Das mag stimmen, sagt dem Kunden aber überhaupt nichts über die spätere Zusammenarbeit.

Persönlichkeit mit Haltung:

„Bei uns gibt es keine Junior-Berater, die deine Anfragen abfangen. Du sprichst von Tag eins an direkt mit den Leuten, die dein Projekt auch umsetzen. Kurze Wege, ehrlicher Austausch und wenn eine Idee am Ziel vorbeigeht, sagen wir das auch.“

Das wirkt greifbar. Wer so arbeitet, schreckt zwar Auftraggeber ab, die reine Ja-Sager suchen – zieht aber genau die Richtigen an.

Wie du deine Seite konkret aufbaust

Wenn du deinen Text überarbeiten willst, kannst du dich an diesen Elementen orientieren:

  • Der Einstieg: Welches Problem löst ihr für eure Zielgruppe? Statt „Wir betreuen seit 15 Jahren IT-Projekte“ sag lieber: „15 Jahre Praxis bedeuten bei uns: Über 200 erfolgreiche Systemumstellungen, ohne dass bei unseren Kunden auch nur eine Produktion stillstand.“
  • Die Menschen dahinter: Gesichter und Rollen mit echtem Praxisbezug. Statt der bloßen Berufsbezeichnung „Projektleiter“ schreib lieber, was die Person im Alltag tut: „Thomas sorgt dafür, dass dein Zeitplan hält, selbst wenn eine Schnittstelle klemmt.“
  • Arbeitsweise & Grundsätze: Worauf legt ihr Wert und wie läuft der Austausch im Projekt ab?
  • Die Stationen als Beweis: Zahlen, Daten oder Meilensteine – aber immer verknüpft mit der Frage: Woran merkt der Kunde, dass das stimmt?
  • Der nächste Schritt: Ein einfacher Weg zur Kontaktaufnahme oder ein Blick auf eure Referenzen.

Der Praxis-Test für deinen Entwurf

Lies dir deine aktuelle Seite durch und stelle dir nach jedem Absatz eine Frage:

„Na und? Was bringt mir das?“

Wenn du auf eine Floskel wie „Wir zeichnen uns durch höchste Qualitätsstandards aus“ stößt, frage dich: Woran merkt der Kunde das am Dienstagmorgen um 9 Uhr an seinem Schreibtisch?

Sobald du darauf eine konkrete Antwort schreibst, verliert der Text seine Trockenheit. Aus einem Lebenslauf wird eine Seite, die Überzeugung leisten kann – und das ist am Ende der Grund, warum aus Besuchern echte Anfragen werden.


Häufige Fragen zur „Über uns“-Seite

Wie lang sollte eine „Über uns“-Seite sein?

Es gibt keine magische Wortanzahl. Sobald erklärt ist, wer ihr seid, wie ihr arbeitet und wie der nächste Schritt aussieht, ist der Text fertig. Besser zwei knackige Absätze, die gelesen werden, als eine lange Firmenhistorie, durch die sich niemand scrollt.

Braucht es zwingend echte Teamfotos?

Ja. Eingekaufte Bilder von lächelnden Models im Konferenzraum erkennt mittlerweile jeder. Sie wirken austauschbar und nehmen der Seite die Glaubwürdigkeit. Schnappschüsse aus dem echten Arbeitsalltag funktionieren deutlich besser.

Was macht man, wenn das Unternehmen noch jung ist?

Wenn Meilensteine aus zehn Jahren Geschichte fehlen, stell die Erfahrung der Köpfe und eure Arbeitsweise in den Vordergrund. Kunden wollen wissen, ob ihr ihr Problem versteht – nicht, wie alt der Gewerbeschein ist.

Gehören Angebote oder Preise auf die Seite?

Direkte Verkaufsangebote wirken an dieser Stelle schnell deplatziert. Die „Über uns“-Seite baut Vertrauen auf. Ein Verweis auf eure Leistungen oder die Möglichkeit, ein Erstgespräch zu vereinbaren, reicht völlig aus.