Texte mit Strategie | Anne Hofmann

Der Text ist in zwei Sekunden fertig. Nur die Arbeit davor leider nicht.

 

Prompt rein. Der Kaffee ist noch nicht einmal umgerührt, da steht er schon: der neue Blogartikel. Oder die Landingpage. Oder die Stellenanzeige.

 

Grammatik sitzt. Rechtschreibung sitzt. Die üblichen Branchenbegriffe haben auch alle brav ihren Platz gefunden.

 

Eigentlich müsste jetzt irgendwo Konfetti von der Decke fallen.

Tut es aber nicht.

In Marketingabteilungen und Führungsetagen macht sich nach dem Knopfdruck oft Erleichterung breit. Endlich Häkchen dran. Der Haken ist nur: Beim Leser da draußen erzeugt dieser Text meistens genau eine Reaktion,  gar keine.

 

Die Haken-Illusion

Wenn ein Text intern bewertet wird, passiert das fast immer an der Oberfläche:

 

  • Inhalt sachlich richtig? Haken dran.
  • Grammatik fehlerfrei? Haken dran.
  • Klingt das professionell? Haken dran.
  • Leser beim Lesen eingeschlafen? Ups.

Zielgruppen, Kunden oder wechselwillige Fachkräfte analysieren Texte nicht. Sie lesen mit dem Bauchgefühl. Sie merken verdammt schnell, ob da jemand ihre Realität versteht oder ob eine Maschine eine glattgebügelte Hülle ausgespuckt hat.

 

Glattgebügelte Sprache tut niemandem weh. Sie erzeugt aber eben auch keine Reibung, kein Wiedererkennen und kein Vertrauen. Sie bleibt unsichtbar.

 

Was die Maschine nicht weiß

 

Verstehen wir uns nicht falsch: KI ist ein fantastisches Werkzeug. Sie kann Sätze polieren und Empathie sprachlich inzwischen verdammt überzeugend simulieren. Aber sie kennt den konkreten Menschen nicht.

 

Eine KI war nie bei deinen Kundengesprächen dabei. Sie saß nicht mit am Tisch, als dein Kunde frustriert erzählt hat, wo ihm im Alltag wirklich der Schuh drückt. Sie hat keine Jahre an Erfahrung mit genau deinen Wunschkunden auf dem Buckel. Und sie merkt nicht, wenn der Geschäftsführer felsenfest von einer Formulierung überzeugt ist, während der Kunde an genau dieser Stelle gähnend aussteigt.

 

Eine KI spiegelt immer nur das wider, womit man sie füttert. Wenn da betriebsblinde Stichpunkte reinfliegen, kommen glatte, betriebsblinde Absätze raus.

 

Was passiert eigentlich vor dem ersten Satz?

 

Der größte Denkfehler beim Einsatz von KI ist der Glaube, das Aufschreiben der Wörter wäre die eigentliche Arbeit.

Gute KI-Texte im Marketing entstehen nicht allein durch einen gelungenen Prompt. Entscheidend ist die strategische Vorarbeit. Wer seine Zielgruppe kennt, das Angebot klar positioniert und weiß, welche Handlung ein Text auslösen soll, kann KI gezielt einsetzen.

Das Tippen ist nur das Ende der Kette. Was wirklich Ergebnisse bringt, passiert lange vor dem ersten Satz:

 

  • Die Zielgruppe wirklich verstehen: Was hält diese Menschen abends wach? Was lässt sie zweifeln? Und welches Argument brauchen sie, um eine Entscheidung treffen zu können?
  • Das Rausfiltern der Betriebsblindheit: Was von deinem internen Wissen interessiert den Kunden da draußen wirklich und was schläfert ihn nur ein?
  • Die ungemütlichen Fragen: Passt das Angebot wirklich zu dem, was auf der Website versprochen wird?
  • Die richtige Tonalität: Wie klingt dein Unternehmen, ohne wie der Fünfzehnte im gleichen Markt zu wirken?

Die Wörter sind also schnell geschrieben. Die Denkarbeit davor leider nicht. Und ausgerechnet an der entscheidet sich, ob dein Text etwas bringt oder einfach nur sehr ordentlich herumsteht.

 

Woran man gute Vorarbeit erkennt

 

Ob ein Text mit oder ohne KI entstanden ist, sieht man nicht zuverlässig an seiner Grammatik. Ob vorher jemand nachgedacht hat, merkt man spätestens daran, was der Text erreicht:

 

  • Bei Anfragen: Besucher springen schnell wieder ab, weil sich niemand gemeint fühlt. Wenn Anfragen kommen, passen sie oft nicht zum Wunschkunden.
  • Beim Recruiting: Stellenanzeigen voller Floskeln locken keine gesuchten Fachkräfte an. Menschen wechseln für Persönlichkeit und Unternehmenskultur, nicht für ein dynamisches Team.
  • Auf dem Konto: Ein Text, der niemanden bewegt, führt zu keiner Handlung. Er spart zwar zehn Minuten beim Erstellen, kostet aber am Ende volle Umsätze.

Der Text kann in zwei Sekunden fertig sein. Dagegen habe ich überhaupt nichts.

 

Die Frage ist nur, was in den Stunden, Tagen und Jahren davor passiert ist. Wer seine Kunden kennt, sein Angebot verstanden hat und weiß, was er sagen will, kann KI verdammt gut nutzen.

 

Wer das alles überspringt, bekommt trotzdem einen fertigen Text.

Nur eben keinen, der seinen Job macht.

 

FAQ

 

Brauche ich noch eine Texterin, wenn ich KI im Haus nutze?

Ja, wenn der Text verkaufen oder überzeugen soll. Eine KI liefert auf Anweisung fertige Sätze. Eine Texterin hinterfragt die Anweisung, filtert Betriebsblindheit heraus und sorgt dafür, dass die Botschaft beim Wunschkunden auch wirklich ankommt.

 

Warum klingen viele KI-Texte im Marketing so ähnlich?

Weil Algorithmen auf Mustern aufgebaut sind. Wenn Unternehmen ähnliche Prompts nutzen, spuckt die Maschine ähnliche Phrasen aus. Wer am Markt auffallen will, braucht Profil und den mutigen Blick von außen.